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Weerg - auf zu neuen Wegen

Matteo Rigamonti gründete 1994 Pixartprinting, eines der ersten Web2Print-Druckhäuser. Er verkaufte es 2016 schließlich an Cimpress, um sich einem neuen Abenteuer zu widmen: Dem Aufbau eines Online-Dienstes für CNC-gefräste Teile und 3D-Drucke für die Industrie.

Weerg - auf zu neuen Wegen

Foto: Weerg

Um gleich mit einem gängigen Missverständnis aufzuräumen: der Name von Rigamontis neuem Unternehmen, „Weerg“, hat rein gar nichts mit den Niederlanden zu tun. Das wäre auch recht seltsam. Denn der Gründer lebt mit seiner Familie nun in Paris. Weerg baut er hingegen auf, wo vor über 20 Jahren auch Pixartprinting Spa seinen Anfang nahm. „Ich habe für eine Weile überlegt die neue Fabrik in Frankreich zu bauen, wo ich lebe, aber ich bin voll von der Qualität Made in Italy überzeugt und die Wahl ist dann vielleicht auch durch Zufall auf Marghera in der Provinz Venedig gefallen, im selben Gebäude in dem damals mein Abenteuer mit Pixart begann“, erzählt Matteo Rigamonti gut gelaunt.

 Rigamonti will es noch einmal wissen

Wie aber kam es dann zum Namen seines neuen Unternehmens? “Ich habe einfach ein App auf meinem iPhone nach freien Domain-Namen mit fünf Buchstaben suchen lassen. ‚Weerg‘ war einer der Verschläge, und ich denke, er passt gut“, so der Gründer. Ein bisschen könnte diese Episode auf stellvertretend für Rigamontis unternehmerische Haltung stehen. Denn Pixartprinting war einer der Pioniere des Web2Print, viele der Abläufe, die heute so oder ähnlich Standard für derartige Firmen sind, wurden damals erst erdacht und geschaffen, und zwar unter anderen von Rigamonti und seinen Mitarbeitern.

Warum aber will jemand mit einer solchen Historie es noch einmal wissen? „Der Mensch braucht etwas zu tun“, gibt er zu, „vor allem aber musste ich herausfinden, ob das damals mit Pixartprinting einfach Glück war.“ Deshalb hat er sich für seine zweite Gründung wieder einen absoluten Pioniermarkt ausgesucht. Den Weerg bietet CNC-gefräste Werkstücke sowie professionelle 3D-Drucke über das Internet an. Allerdings wendet sich das Angebot nicht, wie etwa bei iMaterialize oder Shapeways, vor allem an Privatpersonen, Bastler und Erfinder. „Bei uns bestellen vor allem Entwicklungsabteilungen“, erklärt er. „Die Erstellung von CNC-Daten ist ziemlich komplex, deshalb sind unsere Kunden hoch spezialisierte Fachleute aus aller Welt, also zumeist Ingenieure und Techniker.“

CNC-Teile sind reif für eine Revolution des Marktes

Rund 80% des Umsatzes von Weerg werden mit CNC-gefrästen Teilen erzielt. Denn die Webseite bietet entscheidende Vorteile. „Bislang war es kompliziert, langwierig und teuer, aus 3D-Daten professionell gefertigte Teile herstellen zu lassen“, so Rigamonti, „bereits die Erstellung eines entsprechenden Angebots konnte Wochen dauern, bis das Teil dann geliefert wurde, auch mal sechs Monate.“ Auf der Weerg-Webseite können Nutzer nun ein CAD-File hochladen und erhalten unmittelbar ein Angebot. Nehmen sie es an, so wird ihr Bauteil binnen fünf Tagen gefertigt und verschickt. Möglich wird die Blitz-Kalkulation durch eine proprietäre Software, die in Zusammenarbeit mit einer italienischen Universität entwickelt wurde – ein echtes Novum. „Pro Bestellung erzielen wir so einen durchschnittlichen Warenwert von etwa 500 Euro“, erklärt Rigamonti. „Unser Service bietet für unsere Kunden so einen Mehrwert, dass wir die Teile sogar bis nach Australien oder Neuseeland verschicken müssen.“

Derzeit sind allerdings ein Drittel der Kunden Italiener, gefolgt von Deutschen, die 24% der Besteller darstellen und dazu viele andere europäische und außereuropäische Länder. „Ich finde es extrem anregend, dem Markt das zu bieten, was er braucht. Mit Weerg können wir den Nutzern eine Antwort geben, die es bisher nicht gab: Preistransparenz, Ausführungsgeschwindigkeit, Liefergewissheit ", so der Gründer. Experten gehen davon aus, dass der globale Marktwert CNC-gefräster Produkte hundertmal größer ist der als von Druckdienstleistungen, „unsere Marktchancen sind also ungleich größer“, sagt Rigamonti.

3D ist nichts für Druckdienstleister

2017 ist hat sich der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr verzehnfacht, rund 300 Bestellungen wickelt man täglich ab. Damit ist die Kapazität der vier installierten Hermle 5-Achsen-Bearbeitungszentren praktisch ausgeschöpft. "Die Nachfrage nach 3D-Verarbeitung hat unsere Erwartungen übertroffen. Wir haben eine zunehmende Anzahl sehr unterschiedlicher Aufträge von Benutzern registriert, die auf die Liefergeschwindigkeit achten, was es erforderlich machte, die Produktionskapazität sofort zu erhöhen“, erzählt er. Freilich werden die sechs weiteren CNC-Fräsen, die bereits bestellt sind, noch fast ein Jahr auf sich warten lassen.

Deshalb erinnerte sich Rigamonti an seine gute Zusammenarbeit mit HP. So kommt es, dass bei Weerg als eine der ersten Firmen weltweit gleich drei HP Jet Fusion 4200 3D-Drucker installiert sind. „Die Leistung des Jet Fusion 4200 Druckers entsprach voll unseren Erwartungen. Die Maschine erwies sich als unglaublich schnell und produktiv mit sehr wettbewerbsfähigen Kosten, sogar für die Produktion von Auflagen von bis zu 5.000 Stück. Wir sind davon überzeugt, dass dank dieser Technologie das 3D-Drucken, das bisher nur auf spielerische oder experimentelle Anwendungen beschränkt war, auf dem richtigen Weg ist, um tatsächlich nützlich und funktional zu werden ", so Rigamonti. Für reine Druckdienstleister sieht er im professionellen 3D-Druck allerdings wenig Chancen, um neue Segmente zu erschließen: „Die Erstellung von korrektem CAD-Files ist wesentlich komplizierter, entsprechende Fachleute knapp. 

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